Sie kennen das Problem: Die Geschichte ist gut – der Text nicht
Ihre Geschichte macht Ihr Haus besonders – echte Erinnerungen, echtes Herzblut, echte Menschen. Doch sobald Sie den Text für Ihre Website oder Broschüre schreiben, klingt alles plötzlich nach Werbung oder nach Listen: zu steif, zu werblich, zu austauschbar. „28 qm, Kingsize-Bett, kostenfreies WLAN.“ Sie ahnen: So fühlt niemand etwas für Ihr Haus.
Gute Hoteltexte müssen nicht perfekt sein, sondern echt. So, wie Sie beim Frühstück mit Stammgästen sprechen. Und das geht – mit 7 einfachen Regeln, die Hotelgeschichten vom bloßen Text unterscheiden.
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Schreiben Sie, wie Sie sprechen
Das größte Hindernis: Kaum sitzt man am Laptop, rutscht man in die Sprache eines Werbeflyers. Die Lösung: Erzählen Sie (sprachlich!) wie im Gespräch. Sprechen Sie Ihre Geschichte als Memo ein und schreiben Sie sie ab. Das liest sich ehrlicher und näher.
- Vorher: „Unser Haus zeichnet sich durch eine lange Tradition aus und bietet einen unvergesslichen Aufenthalt.“
- Nachher: „Ich bin hier aufgewachsen. Mein Vater hat es 1990 gebaut. Heute leite ich es selbst. Und beim Frühstück gebe ich Ihnen gern den besten Wanderweg für den Tag.“
Test: Würden Sie dies einem Gast persönlich sagen? Nein? Dann streichen oder umformulieren!
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Zeigen, nicht nur behaupten
Behauptungen wie „herzlich“ oder „regional verwurzelt“ liest jeder – glaubt aber niemand.
Belegen Sie Eigenschaften durch echte Details.
| Behauptung | Echtes Detail |
| „Wir sind herzlich.“ | „Wenn Sie morgens zum Frühstück kommen, begrüßen wir Sie mit einem Lächeln und fragen, wie Sie geschlafen haben – so wie wir es bei Freunden tun würden.“ |
| „Regional verwurzelt.“ | „Unser Apfelsaft kommt vom Obsthof Rüdlin, nur 1 Kilometer entfernt. Es lohnt sich ein Besuch bei Ihrem nächsten Spaziergang.“ |
| „Qualität.“ | „Unsere Zimmer werden täglich gründlich gereinigt, und wir achten darauf, dass alles perfekt vorbereitet ist – vom frischen Handtuch bis zum aufgeschüttelten Kissen.“ |
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Kraft der Details nutzen
„Schöne Aussicht“ klingt nach nichts. Ein echtes Detail bleibt hängen.
- Vorher: „Regionale Küche mit frischen Zutaten.“
- Nachher: „Unser Küchenchef holt donnerstags Forellen frisch vom Fischhändler am Titisee. Um 7 Uhr steht er mit der Kühlbox in der Küche.“
Kleine, präzise Dinge schaffen Bilder. Der Gast sieht, riecht und glaubt Ihnen.
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Emotionen brauchen Sinne
„Wohlfühlen“ lässt sich nicht anweisen – sondern nur auslösen! Sprechen Sie möglichst alle fünf Sinne an.
- Vorher: „Gemütliche Atmosphäre.“
- Nachher: „Abends in der Lounge knistert das Kaminfeuer. Die Luft riecht nach Holz und nach frischem Brot. Der Sessel fühlt sich an wie ein Lieblingshandschuh.“
Welche drei Sinneseindrücke lassen Ihr Haus lebendig wirken?
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Kontrast erzeugt Spannung
Perfekte Geschichten vergisst jeder. Brüche, Entwicklungen, Kontraste bleiben. Nutzen Sie Vorher-Nachher oder Entweder-Oder.
- Kontrast-Beispiel: „Unsere Minibar ist leer. Stattdessen: Ein Zettel – ‚Befüllen Sie sie selbst. Der Dorfladen hat bis 18 Uhr offen.‘“
Kontraste schaffen Erinnerungen und ein einzigartiges Erlebnis.
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Füllwörter gnadenlos streichen
Weg mit „etwas“, „ziemlich“, „relativ“, „durchaus“. Sie machen alles weich und unklar.
- Vorher: „Wir sind ein relativ kleines, durchaus familiäres Hotel. Das Frühstück ist ziemlich reichhaltig, die Zimmer sind etwas ruhiger gelegen.“
- Nachher: „Wir sind klein und familiär. Das Frühstück ist reichhaltig. Die Zimmer liegen ruhig.“
- Mit Detail: „Zwölf Zimmer. Beim Frühstück kennen wir Ihren Namen. Und nachts hören Sie die Eulen vorm Fenster.“
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Schließen Sie mit einem Bild
Nach einer guten Geschichte wirkt „Buchen Sie jetzt!“ wie ein Bruch. Besser: Ein Bild, das bleibt.
- Vorher: „Überzeugen Sie sich und buchen Sie jetzt!“
- Nachher: „Wenn Gäste auschecken, bleiben sie oft noch zehn Minuten auf dem Parkplatz – nicht, weil sie etwas vergessen haben, sondern weil sie nochmal auf den See schauen wollen, bevor der Alltag beginnt.“
Dieses Bild hält die Erinnerung wach – und das ist das Ziel jedes Hoteltextes.
Noch eine praktische Übung zum Schluss
Nehmen Sie einen beliebigen Text Ihrer Website – z.B. Zimmerbeschreibung, „Über uns“, die Startseite. Prüfen Sie mit den 7 Regeln:
- Klingt es wie im Gespräch?
- Sind Aussagen mit Details belegt?
- Sind konkrete Details enthalten (Wann? Wo? Wie?)?
- Werden Sinne angesprochen?
- Gibt es einen Kontrast?
- Sind Füllwörter entfernt?
- Endet der Text mit einem Bild?
Schreiben Sie um – Sie werden den Unterschied sofort spüren.
Fazit
Texte, die ankommen, sind ehrlich, klar und echt. Sie müssen keine Schriftstellerin oder kein Werbeprofi sein. Erzählen Sie einfach, wie Sie sind und wie es bei Ihnen zugeht – so, wie Sie es Ihren Gästen auch erzählen würden. Das reicht vollkommen aus, um Eindruck zu machen.
Wenn Ihnen für solche Texte der Kopf zwischen Rezeption und Abrechnung fehlt, unterstütze ich Sie gern: Ich höre zu, frage nach und fasse Ihre Geschichten so in Worte, dass sie zu Ihnen passen – ehrlich, bodenständig und mit Herz.
Lust auf ein Gespräch darüber, welche Geschichte Ihr Haus erzählt?
Mit Herz. Und Verstand.
–> Lassen Sie uns sprechen.

